Interview |
Die HSG Alumni-Zeitung ALMA behandelt in Ihrer neuesten Ausgabe passend zur Nachfolgeregelung an der HSG-Spitze das Thema Nachfolgeplanung. Da sich die Consulta AG seit Jahren in der Nachfolgeberatung etabliert und die eigene Firmennachfolge erfolgreich und selbständig gemeistert hat, wollen wir uns gerne mit diesem Beitrag an der Gestaltung der neuen ALMA beteiligen. Zu diesem Zweck wurden uns von Herrn Tinner einige Fragen zu unserer Herangehensweise gestellt. Roger Tinner (ALMA-Redaktion, Inhaber): Wieso haben Sie einen Nachfolge-Navigator entwickelt? Und wann? Was ist die Idee dahinter? Stephan Illi (lic.oec.HSG, Mitglied des Verwaltungsrates Consulta AG): Die Consulta AG besteht bereits seit 1978 und ist ein reines Familienunternehmen. Im Jahr 2006 ergänzte eine kompetente Nachfolger-Generation, vertreten durch die Herren Sven Linder (lic. oec. HSG, eidg. dipl. Wirtschaftsprüfer, ehemals KPMG), Stefan Rutishauser (eidg. dipl. Wirtschaftsprüfer, ehemals KPMG) und mir, Stephan Illi, das bestehende Team. Es wurden die Bereiche Unternehmensberatung sowie Wirtschaftsprüfung und –beratung gegründet resp. verstärkt, die dann die bereits bestehenden Bereiche Wirtschafts-, Rechts- und Steuerberatung sowie Immobilien ergänzten. In diesem interdisziplinären Umfeld wurde der IKS-Navigator® entwickelt und mit grossem Erfolg über 40 Mal verkauft. Dieses eigenentwickelte Tool in Form eines pragmatischen Leitfadens zur Erstellung der für die Dokumentation eines internen Kontrollsystems benötigten Lieferobjekte war die Grundlage für die Entwicklung unseres Nachfolge-Navigators. Da wir durch den eigenen Nachfolgeprozess einen Überblick über die Komplexität dieses Problems bekommen hatten, war das Thema Nachfolgeberatung ein weiteres Produkt in unserem Portfolio, welches wir entwickeln wollten. Dazu erhielten wir Anfang 2009 Unterstützung von Herrn Patrick Stein, der seine Bachelor’s Thesis in Form einer Machbarkeitsstudie für ein online – M&A Portal für unsere Firma verfasste. Ursprünglich war unsere Idee, alle Probleme einer Firmenübergabe, gleich welcher Art, durch ein Online-Portal abwickeln zu können. Zu diesem Zweck wurde im Detail analysiert, welche Stakeholder im Prozess der Firmenübergabe welche Aufgabe zu erfüllen haben. Dabei wurden knapp die 140 verschiedene Tasks und Tätigkeiten in einem Value-Web, übrigens nach dem St.Galler Business Engineering Ansatz, identifiziert, die von einer der im Nachfolgeprozess involvierten Parteien zu unterschiedlichen, aufeinander abgestimmten Zeitpunkten zu erledigen sind. Diese haben wir dann auf 40 Aufgaben im Nachfolge-Navigator® zusammengefasst. Anschliessend wurde zusammen mit einem Advisory Board ein Business Plan entwickelt.
Die Mitglieder des Advisory Board des Nachfolge-Navigator ® der Consulta AG sind:
- Dr. iur. HSG Torsten Bergau LL.M., Rechtsanwalt und Partner bei Rechtsanwälte Hoffmann, Liebs, Fritsch & Partner in Düsseldorf.
- Dr. oec. HSG et lic. iur. HSG Patrick Maier (Leiter Courier, Express, Parcel (CEP) und Leiter Global Operations & Network Management bei Swiss Post International)
- Dr. Christian Jaag, Ph.D. in Economics and Finance (HSG) und Managing Partner bei Swiss Economics SE AG.
- Urs Schneeweis, MBA University of Chicago, Abteilungsleiter bei Roche.
- Pierre Muckly, ehemals CEO Canon Schweiz AG, jetzt Vize-Präsident SWICO, CEO einer Beratungsfirma
Beim Verfassen des Business Plans und während der Meetings mit dem Advisory Board wurde uns schnell bewusst, dass das Thema Nachfolgeberatung ein zu persönliches Thema ist, als dass es über ein unpersönliches Medium wie das Internet abgewickelt werden kann. Insbesondere in Beachtung der demografischen Eigenschaft des Zielklientels (> 50 Jahre, KMU, Firmenwert zwischen 500 TCHF und 10 Mio CHF) änderten wir unseren Fokus auf die ganzheitliche Projektbegleitung von grösseren KMU. Um alle Einflussfaktoren im Nachfolgeprozess zu beachten, entwickelten wir daraufhin in Anlehnung an unser bereits bestehendes Produkt «IKS-Navigator® » den «Nachfolge-Navigator®». Dieser dient als Kompass für den kompletten Nachfolgeregelungs-Prozess. Im Oktober 2010 ging dieser Navigator dann online, nachdem wir ihn in zwei kompletten Übergabeprojekten und mehreren Dutzend Teilprojekten bereits in der Praxis erproben konnten.
Roger Tinner: Was hat der Nachfolge-Navigator für einen Nutzen? Wie setzen Sie ihn ein?
Stephan Illi: Der Nachfolge-Navigator® schafft Sicherheit im Nachfolgeprozesse: Der Nutzen des NachfolgeNavigators® liegt in seinem modularen Aufbau und der interdisziplinären Herangehensweise mit alle Anspruchsgruppen, sowie einem professionellen Projektmanagement. Unsere Recherchen und Erfahrungen haben gezeigt, dass insbesondere bei KMUs die Neigung des Inhabers besteht, ausschliesslich seinen oft langjährigen Treuhänder, Steuerberater oder Rechtsanwalt als Bezugsperson im Übergabeprozess herbeizuziehen. Diese Partner haben trotz ihres hochspezialisierten Fachwissens und ihrer mehrjährigen Einsicht in Firma und Eigentümer häufig einen eingeschränkten Fokus – zudem sind sie befangen und somit nicht immer in der Lage, die konsequente externe Sichtweise eines Nachfolgers oder Investors einzunehmen.
Mit unserem Nachfolge-Navigator® sehen die Übergebenden auf einen Blick alle zu berücksichtigenden Aspekte und Aufgaben. Wir prüfen zudem spieltheoretische Aspekte im Zusammenhang mit der Kommunikation in der Nachfolgeplanung. Im Rahmen der Unternehmensbewertung führen wir eine qualitative Standortbestimmung der Unternehmung durch und berücksichtigen dabei sämtliche Aspekte des Strategischen Managements nach Collis/Montgomery (Harvard). Der Standortbestimmungsfragebogen kann von unserer Webseite heruntergeladen werden.
Sämtliche Aspekte werden in die Hauptprozessschritte des Nachfolgeprozesses integriert. Dabei verliert ein Unternehmer nie den Gesamtkontext aus den Augen. Er kann im Verlaufe des sich unter Umständen über mehrere Jahre hinziehenden Nachfolgeprozesses jederzeit erkennen, wo er steht und welche Schritte noch vor ihm liegen. Die modulare Bauweise des Navigators erlaubt es zudem, dass auch nur einzelne Leistungen aus dem Kontext bearbeitet werden können. Dieser Aufbau hilft dem Unternehmer, die Beratungskosten im Auge zu behalten und ermöglicht ihm eine Aufteilung der Leistungen auf die von ihm gewünschten Partner. Dank des Nachfolge-Navigator ® werden die einzelnen benötigten Leistungen richtig orchestriert.
Roger Tinner: Inwiefern kann der Nachfolge-Navigator Nachfolge-Lösungen unterstützen?
Stephan Illi: Wir haben die Erfahrung gemacht, dass ein Unternehmer zum Zeitpunkt der Inanspruchnahme von Beratung bereits einige feste Vorstellungen im Kopf hat. Möglicherweise hat er diese bereits mit seinem Treuhänder, Steuerberater oder Rechtsanwalt besprochen und lässt dadurch vielleicht andere, steuerlich und strategisch attraktivere Möglichkeiten ausser Acht. So kennen wir beispielsweise Fonds, Banken und potentielle Nachfolger, welche wir nach Bedarf beiziehen und vorschlagen können. Mit dem Nachfolge-Navigator® haben wir die Möglichkeit, verschiedene Varianten auszuarbeiten und dem Unternehmer somit mehr Handlungsoptionen zu bieten, aus denen er dann wählen kann. Dies erfolgt z.B. durch die Standortbestimmung mit Bewertung verschiedener Zukunftsszenarien, verschiedene rechtliche Übertragungsmöglichkeiten, durch verschiedene Angebote der Finanzierung, oder aber auch durch das Hinzuziehen von ehemaligen Unternehmern. Mit diesen Patrons gestalten wir am Anfang eines Beratungsprojektes einen Workshop mit dem im Nachfolgeprozess stehenden Unternehmer, in dem ihm alle Aspekte des Prozesses – auch emotionale Faktoren - anhand unseres Navigators aufgezeigt werden. Zudem erhält der Unternehmer einen Partner auf Augenhöhe – unabhängig von Treuhändern, Rechtsanwälten, Beratern und seiner Ehefrau.
Danach entscheidet er sich ob er das Projekt vollständig mit der Consulta AG durchführen oder nur einzelne Dienstleistungen in Anspruch nehmen möchte. Dadurch, dass die Consulta AG alle für die Nachfolgeberatung wichtige Kompetenzen wie Rechts-, Steuer-, Wirtschafts- und Unternehmensberater sowie Immobilientreuhand unter einem Dach vereint, können wir neutrale und umfassende Bewertungen erstellen und bieten dieses aus einer Hand an. Dadurch werden Verluste beim Wissenstransfer und bei der zeitlichen Abwicklung vermieden. Das professionelle, langfristig orientierte und alle Aspekte der Nachfolgeplanung berücksichtigende Projektmanagement hilft, Werte für den Unternehmer und das Unternehmen langfristig zu sichern.
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